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Laokoon

Ein wildes sich winden. Vergebliches Mühen.
Es sind die Ketten der medial vermittelten Scheinwelt, die uns gefangen halten.
Es ist das feingewebte Netz der technisch-politisch gesteuerten Information, in dem wir eingesponnen sind wie in einen Kokon. 
Körper- und Zugbewegungen des Instrumentes sind Versuche sich von den imaginären Fesseln zu befreien.
Die vergebliche Anstrengung  ist tragisch und komisch zugleich.
Tragisch weil der Kampf  aussichtslos ist, und komisch, weil ihn seine Aussichtslosigkeit  lächerlich macht. 
Wir sind gefangen, wie der Student Anselmus in der Flasche, und jede widerständige Bewegung erzeugt nur schneidende Mißklänge.
Der Instrumentalist agiert souverän, aggressiv, zögernd, verzweifelt, kämpferisch.
NON ART REALITY  
Diese Worte sind sein Handlungsprogramm und bilden die Substanz seiner musikalischen Aussage.
NON ART REALITY  
Diese Worte sollen dem Musiker Gebot sein für die Unbedingtheit seines darstellerischen Agierens.
NON ART REALITY   
Der eigentliche Witz ist, daß die manifeste Forderung sich im Artistischen hoffnungslos ad absurdum führt.
Wirklichkeit wird hier nur im künstlerischen Ausdruck manifest.
Kunst kann nichts anderes.
Kann nichts anderes, als ihre eigene Wirklichkeit  Wirklichkeit werden lassen.
NON ART REALITY.
Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen die erstickende Enge dieses Paradoxon, das uns  alle gefangen hält, weder wahrnehmen noch empfinden, sondern es sich gemütlich eingerichtet haben in der Produktion und Konsumtion des falschen Scheins.
Uns aber bleibt nichts anderes, als:
Ein wildes sich winden. Vergebliches Mühen.


Laokoon.aus: Im Verzerrspiegelraum – Ricercar für Tenor(baß)posaune (2008)





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