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Der Tag ist überlebt,
ergraut die Erde (2007)
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Im Zentrum der Komposition steht Goethes Faustmonolog aus der Szene
„Vor dem Tore“ dem sogenannten Osterspaziergang.
Betrachte, wie in Abendsonneglut
Die grünumgebnen Hütten schimmern!
Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,
dort eilt sie hin und fördert neues Leben.
O daß kein Flügel mich vom Boden hebt,
Ihr nach und immer nach zu streben!
Ich säh im ewigen Abendstrahl
Die stille Welt zu meinen Füßen,
Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Tal,
Den Silberbach in goldne Ströme fließen.
Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf
Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
Schon tut das Meer sich mit erwärmten Buchten
vor den erstaunten Augen auf.
Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;
Allein der neue Trieb erwacht:
Ich eile fort, ihr ewges Licht zu trinken;
vor mir den Tag und hinter mir die Nacht,
Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.
Ein schöner Traum, indessen sie entweicht.
Ach, zu des Geistes Flügeln wird so leicht
Kein körperlicher Flügel sich gesellen!
Doch ist es jedem eingeboren,
Daß sein Gefühl hinauf- und vorwärtsdringt,
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt,
Wenn über schroffen Fichtenhöhen
Der Adler ausgebreitet schwebt
Und über Flächen, über Seen
Der Kranich nach der Heimat strebt.
Faust sucht in der Beschwörung dieses phantastischen Bildes sich vor den dunklen Schuldgefühlen, die ihn heimsuchen, zu befreien. Um zu verdeutlichen, worum es hier geht, sind in den Monolog Passagen aus dem vorangehenden bzw. nachfolgenden Gespräch mit Wagner einmontiert, sodaß sich der Monolog auflöst in eine vielstimmige Zwiesprache, einen Widerstreit der Gefühle und Gedanken, die aus unbewältigter früherer Schuld resultieren. Die inneren Stimmen des Gewissens werden zur Sprache gebracht, drängen sich in den Vordergrund des Bewußtseins. Das romantisch sehnsuchtsvolle Sinnbild wird so verständlich als Ergebnis eines Verdrängungsaktes.
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